Vortrag "Die Strategie der Zukunft"

Anders als gewöhnlich - aber authentisch!

Festvortrag anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Verbandes der Privatvermieter in Südtirol (VPS) am 28. Oktober 2010 in Bozen

Wer in diesen Zeiten normal bleibt, wird sich den Markt mit vielen normalen Unternehmen (und Kunden!) teilen müssen. Doch es lohnt sich anders zu sein. Anders als gewöhnlich. Aber authentisch! Die Geschichte hat ja gezeigt, wohin uns die Normalen gebracht haben. Deshalb: Lasst doch einfach einmal die Ver - rückten ran!

Wir können von anderen Menschen lernen. Aber die alten Gesetze zählen nicht mehr. Heute lernen nicht nur die Jungen von den Alten. Sondern die Alten von den Jungen! Vor kurzem habe ich für mich eine außergewöhnliche Entdeckung gemacht: Ich beobachte meine zweieinhalbjährige Tochter Maxine beim Pellen eines Frühstückeis. Dieses Ei pellte sie mit 200 Prozent Konzentration! Sie ließ sich auch von keinem der mindestens jetzt fünf Zuschauer in dieser Konzentration stören. Mindestens drei davon fotografierten sie während ihrer „Arbeit". Erst als sie fertig war, das Ei wirklich sauber gepellt im Eierbecher stand, schaute sie mit einem Grinsen im Gesicht zu uns auf. Kein Schalenkrümel war mehr am Ei. Denn nichts hasst sie mehr als das! Meine Erkenntnis daraus: Nur wenn wir uns voll und ganz auf EIN Produkt konzentrieren, haben wir auch Erfolg. In der Praxis sieht das natürlich anders aus. Ständig wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben! Jedem Trend wird hinterher gehechelt. Trendforscher geben die Schlagzahl vor. Trendexperten halten Vorträge mit vielen bunten Bildern und beeindrucken ihr Publikum. Der größte Irrglaube des Unternehmertums besteht darin, dass man sich auf das sogenannte Benchmarking verlässt. Aber Benchmarking heißt eigentlich nichts anderes als bei anderen guten Unternehmern abzukupfern. Dadurch kann aber kein eigener Weg beschritten werden.

„Wenn du deinen eigenen Weg gehst, kann dich niemand überholen!."

Doch wie finde ich meinen eigenen Weg, meine eigene Strategie? Natürlich ist es erlaubt, über den Tellerrand hinauszuschauen. Das hat übrigens auch der berühmteste Autobauer dieser Welt getan. Sein Name ist Henry Ford. Er war übrigens ein perfekter Benchmarker. So wie ich das Benchmarketing verstehe. Denn Henry Ford besuchte eines Tages den Schlachthof von Detroit. Und er sah, wie die Schlachtkörper der Tiere am Fließband zerlegt und letztendlich professionell zu Fleisch und Wurst verarbeitet wurden. Hier entstand die Idee der Automobilproduktion am Fließband. Und dies revolutionierte die Autowelt bis heute. Deshalb ist es wichtig zu KAPIEREN statt zu KOPIEREN!

„Wenn dich alle für deine Ideen auslachen, dann bist du auf dem richtigen Weg!"

Wenn eine Idee von Anfang an viele Begeisterte findet, dann ist sie meist nichts wert. Gute Ideen zeichnen sich dadurch aus, dass man Kopfschütteln, Schulterzucken oder sogar Gelächter erntet. Dann lohnt es sich, diese Idee weiter zu verfolgen. Daraus habe ich die drei A-Strategie entwickelt: das erste A steht für Auslachen, das zweite A für Anmachen und das dritte A für Abkupfern. Denn ist die Idee erst einmal umgesetzt, dann kommen viele Neider auf den Plan. Aber Neid hindert mich bekanntlich daran das zu erreichen, worum ich den anderen beneide. Haben alle Eifersüchteleien nicht gefruchtet, so wird die eigene Idee irgendwann abgekupfert. In der Regel dauert jede Phase mindestens ein Jahr. Bleibt man seiner Idee / Strategie treu, hat man also mindestens 3 Jahre Vorsprung. Und wenn man dann nicht schon wieder die Strategie ändert, kann man diesen Vorsprung halten bzw. ausbauen.
Und genau aus diesem Grund sind wir unserer Strategie, der innovativen Vermarktung des Rhönschafes und des Rhönapfels seit 22 Jahren treu geblieben. Und hier beginnt dann auch die Markenbildung.

Eine Marke kann man nicht machen, eine Marke wird vom Markt gemacht. Doch man muss etwas in den Markt hineingeben, dass dieser überhaupt eine Marke bilden kann. Und Marken können verstärkt werden, wenn ich diese wie einen Roten Faden durch das Unternehmen laufen lasse. So gibt es in einem Rhönschaf-Hotel natürlich nicht nur leckere Rhönschaf-Gerichte zu essen sondern es werden auch Übernachtungen im Rhönschaf-Zimmer, im KuschelSchaf-Zimmer oder sogar in einem historischen Schäferwagen angeboten. Wellness heißt hier Wollness und findet in einem Schäferwagen statt, der als Holzofen-Sauna umgebaut wurde. Und Stühle wurden teilweise durch lustige Schafhocker ersetzt. Eine Buchung an der Rezeption wird nicht einfach bestätigt. In einem Rhönschaf-Hotel bringt man Schäfchen ins Trockene! All diese Maßnahmen führen zur Verstärkung der Marke.

„Spitz schlägt breit!"

Die Strategie der Zukunft ist daher die eindeutige Positionierung. Weg vom 08/15. Weg vom Anbieter für Alles hin zum Spezialisten. Doch Vorsicht! Ich kann erst ein (Stand)Bein abschneiden, wenn ein neues nachgewachsen ist. Und es gibt dabei auch eine ganz klar von mir definierte Vorgehensweise: Es müssen eindeutige Speerspitzen geschaffen werden. Speerspitzenbildung ist die Königsdisziplin des betrieblichen Marketings. Unsere Speerspitzen sind Rhönschaf und Apfel. Und nur diese Speerspitzen werden kommuniziert. Und nur bei den Speerspitzen wird eine kontinuierliche Qualitätsverbesserung im intensiven Ausmaß angestrebt. Letztendlich wird nur in die Speerspitzen investiert. Wer heute als kleiner Betrieb keine Speerspitzen bildet (also keine eindeutige Positionierung findet) wird den Kampf auf dem Markt gegen die Großen mit ihrem vielfältigen Angebot deutlich verlieren. Die Frage aller Fragen ist doch: „Für was wollen sie berühmt sein?"
Natürlich gibt es bei uns auch andere Fleischgerichte oder vegetarische Gerichte. Aber dies wird nicht kommuniziert. Kommuniziert werden das Rhönschaf und der Apfel und die Geschichten daraus. Frei nach dem Motto: „Nutze deine Geschichte. Lebe und kommuniziere sie!" Jeder von uns weiß doch, dass sich mit einem kleinen Nothammer mit einer ganz kleinen Spitze eine riesengroße Scheibe zu Bruch bringen kann. Wir müssen in Zukunft unsere Ziele mit dem geringsten Aufwand von Zeit, Kraft und Geld erreichen.

„Baue eine Welt um dein Produkt. Initiiere Folklore, Events und Rituale!"

Fazit: Alles muss anders werden. Aber auch aufregend. Und vor allen Dingen ansteckend. Aber immer authentisch. Wir müssen uns in unserer Strategie der Zukunft eindeutig wieder finden. Denn was wir gerne machen, machen wir auch gut. Und was wir gut machen, bringt anderen Menschen Nutzen und Freude.

 

Jürgen H. Krenzer
ist ausgebildeter Koch und Hotelbetriebswirt. 1988 stieg er als 23jähriger in den familieneigenen Gasthof „Zur Krone" am Fuße der Wasserkuppe in der Rhön ein und hat diesen traditionsreichen 08/15-Gastronomiebetrieb in der touristischen Diaspora für sich neu erfunden:
Nach jetzt 22 Jahren ist daraus ein hochprofitables „Rhönschaf-Hotel" mutiert, das ohne Fremdkapital zum Trendsetter der regionalorientierten Gastronomie in Deutschland geworden ist. Sein Engagement für die regionale Küche mit heimischen Produkten und konsequenter Regionalvermarktung hat ihn über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Mit einem blutjungen Team arbeitet Rhönerlebnis-Unternehmer Krenzer, der auch die innovative ApfelSherry-Manufaktur betreibt, lustvoll, erfolgreich und hautnah an den Schnittstellen Produktion, Verarbeitung und Vermarktung.
Und das Ware erst dann zum Wert wird, wenn sie mit emotionaler Authenzität verkauft wird, das bringt er auch in seinen ermutigenden und motivierenden Vorträgen und Seminaren rüber.

Nachlese: „Von der Schnitzelwirtschaft zum Rhönschaf-Hotel"
- So gelingt Erfolg! erschienen im März 2009, erhältlich im Webshop www.rhoenerlebnis.de für 14.50 €

 

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