Und über was reden sie da so?

15.02.2017 10:38 Ein Kommentar

Als ich meinem Gesprächspartner kürzlich am Telefon erzähle, das ich morgen für einen Vortrag nach Freiburg fahre, wird er neugierig. "Und über was reden sie dort?" Eine gute Frage. Auf die ich nicht immer gleich eine Antwort habe. Deshalb verfasse ich auch zu meiner eigenen Orientierung diesen besonderen Blök...

Angefangen hat alles im September 1993. Mein erster Vortrag. Auf einer Regionalschau in meiner Heimat - der Rhön. Thema: "Regionale Küche - neu entdeckt!" Mein Gott, bin ich aufgeregt. Ein paar Tage vorher beziehe ich zur perfekten Vorbereitung ein "Trainingslager" in der Nähe von Kulmbach. Es ist die legendäre Zeit der Overhead-Projektoren und jeder Menge Folien. Dieser Zeit trauere ich manchmal schon noch nach. Das hatte nämlich was. Blöd ist nur, das trotz perfekter Vorbereitung mir mein sorgfältig sortierter Folienstapel vom Tisch rutscht. Waaatsch!!! Und mein Vortrag liegt am Boden - und ihm fehlt hinterher ein wenig die Struktur :-)

Bodenständig sind meine Vorträge bis heute. Das mit der Struktur hat sich - so glaube ich - bis heute fortgesetzt. Denke ich mir so manchmal.  Dafür ist der Spaßfaktor für alle Beteiligten schon ziemlich hoch.  Natürlich auch für mich.

Der sehr wertgeschätzte Referenten-Kollege Vinzenz Baldus hat mich vor Jahren mal den "Geschichtenerzähler" genannt. Und meinte das äußerst positiv. Und in der Tat: Ich packe viele "Lerninhalte" einfach in Geschichten. Zum Beispiel in meine persönliche Geschichte. Oder in die schon ziemlich außergewöhnliche Geschichte von krenzers rhön. Denn das Leben hat wirklich die besten Stories.

Also rede ich über mich. Eigentlich. Andere reden über Erfolg. Oder Verkauf. Oder Mitarbeitermotivation. Oder... Das klingt strukturiert. Ist es auch. Mir geht es jedoch um etwas völlig anderes. Ich möchte, das wirklich wichtige Inhalte bei den Teilnehmern über Jahre "hängenbleiben". Zum Beispiel die eigene Denke, das eigene Profil und die - soooo wichtige - Gelassenheit. Die uns sehr häufig abhanden kommt. Das klingt jetzt nicht so spektakulär? Ist es aber. Finde ich jedenfalls.

Wie geht es ihnen denn, wenn sie einen Vortrag gehört haben? Was ist nach Jahren noch im Gedächnis verankert? Welche Worte haben sie veranlasst, sofort aus dem Quark zu kommen? Hat vielleicht sogar ein Vortragsimpuls ihr Leben verändert? Veränderung. Genau. Darum geht es mir. Gar nicht so einfach. Denn der einzige Mensch, der in unserer wohlbehüteten europäischen Welt wirklich noch Veränderung will, ist scheinbar ein Baby mit vollgekackten Windeln.

Genau darum geht es in meinen Impulsen wie "Erfinde deinen eigenen Laden neu!" oder "Mach dein Ding!". Das sind Klassiker.  Denn es geht mittlerweile bei mir um mehr als eine authentische regionale Küche. Es geht um mehr als das perfekte Marketing für seinen Laden. Es geht immer mehr um die weichen Faktoren. Die oft nicht greifbar - und für viele auch nicht begreifbar sind. Und das geht weit über meine Branche hinaus.

Noch ein Beispiel? Gerne doch. In Zukunft wird es gerade in unseren Dienstleistungsbranchen nicht mehr nur um die perfekte Performance für den Kunden gehen. Die Ende des letzten Jahrhunderts proklamierte Servivewüste Deutschland hat sich mittlerweile schon in eine wunderbare, hübsche Oase verwandelt. In der aber keiner mehr arbeiten will. Merkwürdig. Denn der Deutsche bedient nach wie vor lieber eine Maschine als einen  Kunden. Das hat Gründe. Denn der Kunde ist selbstbewusst. Wird immer fordernder. Und manchmal arrogant und frech. Er ist ja auch der König. Oha! Dieses Geschwafel vom Kundenkönig ist sowas von 1999. Was wir in Zukunft brauchen ist: AUGENHÖHE!

Augenhöhe zwischen Kunden und Dienstleistern, Augenhöhe mit  Lieferanten (der VW-Konzern lässt grüßen), Augenhöhe mit den Behörden (wahrscheinlich eine Jahrhundert-Baustelle) und letztendlich und megawichtig die Augenhöhe zwischen Chefs und Mitarbeitern. Augenhöhe. Mein Impulsthema für 2017. Unterhaltsam. Unstrukturiert. Einprägsam.

Fazit: Ich rede. Aber nicht über Erfolg. Ich rede über ein besseres, erfüllteres Leben. Über Gelassenheit und Entspannung. Ich rede über das Loslassen. Andersdenken. Sichselbstsein. Erfolg hat der, der sich selbst folgt...

 

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  1. 16.02.2017 21:02 Rainer Schäfer
    Lieber Jürgen

    Eigentlich ist für mich "facebook" nur noch ein notwendiges Übel. Deshalb hier meine Anmerkung.
    Du bringst es wieder auf den Punkt. Der letzte Absatz Deines "Blöks" ist genau unsere Lebensphilosophie. Und damit lebt es sich sicher nicht immer ganz problemfrei, aber trotzdem sehr komfortabel.

    Gruß aus Fürstengrund
    Sigrid und Rainer

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