Mein Babyjahr 2008 Tagebuch Oktober - Dezember

Das letzte Quartal ist eingeläutet. Jürgen Krenzers Babyjahr Tagebuch geht in die Schlußphase. Und die ist heiß: Eine gewaltige Apfelernte, die Rhöner Apfelmesse, Stress in der Regionalentwicklung und Hochsaison im Rhönschaf-Hotel und die Weichen für 2009 stellen.
Es bleibt spannend!

Das sind Vaterfreuden. Maxima und Max gemeinsam mit mir bei unserem Italiener in Hilders. Mein Gott, geht die Zeit so schnell rum. Bald sind sie groß - ob sie mich dann noch mitnehmen?

Übrigens: Alles wie gehabt. Die aktuellen, gerade eingestellten Beiträge sind fett. Und vorne.

 

3. "Weihnachts-Feiertag", 27. Dezember 2008

 Es ist ja wirklich kein Wunder, wenn die Leute in Deutschland immer weniger Geld ausgeben. Bei soviel Freizeit wird manchem schon das Geld knapp. Zwischen dem 24.12. des alten Jahres und dem 4. Januar 2009 liegen ja kaum Arbeitstage. Also viel Zeit zum Geld ausgeben und (gefühlt) nix im Beutel. Der „worst case", wie die Amis, die das alles ja in Gang gesetzt haben, zu sagen pflegen. Und wenn in Amerika gehustet wird, sind wir in Europa krank. Was ist eigentlich, wenn Amerika krank ist? Sind wir dann tot?  Da fängt das Rezessions-Jahr 2009 ja gut an. Aber mein Tagebuch endet pünktlich mit Beginn der Rezession. Aber vielleicht wäre ja eine Anti-Rezessions-Kampagne im Internet einmal eine optimistische Fortsetzung. Jeden Tag eine gute Nachricht. Ja, das wärs doch! Wer macht mit? Was meint mein Webmaster Moritz Heine von Bytebetrieb?

Aber die Fantasie ist das eine, Visionen das andere und die Realität schon etwas ganz Grausames. Und da wäre ich bei den Weihnachtskarten, die ich heute alle gelesen habe. Das ist eigentlich schon mehr oder weniger eine Belästigung. Oder eine Belustigung, das kommt nun aber auf den Alkoholspiegel an, mit dem man die Grüße der Geschäftspartner liest.

Die meisten fangen mit Sätzen wie diesen an: „Schon wieder ist ein Jahr vorbei.." oder „Ein schwieriges Jahr geht zu Ende..." oder noch schlimmer „Alle Jahre wieder...". Was lernen wir daraus? Alle reden von Kreativität, Innovation, Aufbruch, neuem Denken und so weiter und so weiter...

Aber jedes Jahr wird die alte Leier heruntergespult! Ist ja auch praktisch. Diese Sätze kann man jedes Jahr wieder verwenden. Warum also eine individuelle Ansprache?

Das wird nächstes Jahr ein Ende haben. Finanzkrise sei Dank. All jene, die heute noch solch besch...... Grußkarten schreiben, werden in 365 Tagen kein Geld mehr fürs Porto haben. Und das ist gut so!

2009 wird das Jahr der Aktiven, der Optimisten, der Umsetzer und der Leidenschaftlichen. Und DAS Jahr der Pioniere und Visionäre. Ein geiles Jahr. Ich freue mich schon drauf!


Silvester, 31. Dezember 2008

Eigentlich wollte ich schon ganz früh am Morgen aufstehen. Um es zu genießen. Die letzten Zeilen meines Tagebuchs bei einem frischgebrühtem Kaffee zu schreiben. Doch daraus wird nichts. Erst um 8 Uhr werde ich wach. Und der Silvestertag ist für mich einer der „aktivsten" Tage im Jahr. Ich gehe daher erst einmal laufen, ich bin sowieso nicht mehr in der Zeit. Dann ist alles egal. Und dann, ja dann kann man auch etwas für seine Fitness tun. Mit der ist es übrigens zum Ende des Jahres am besten bestellt. Irgendwie bin ich wieder mitten im Programm. Und habe mich heute auch zum Rennsteig-Marathon angemeldet. Ja, der Marathoni ist zurück. Der Genuß-Marathoni allerdings. „Mann" lernt ja aus seinen Fehlern.

Nach dem Morgenlauf baue ich das Silvester-Feuer auf, anschließend kurzes Feedback mit meinem Team. Die schicken mich dann erst einmal unter die Dusche. Und um 14 Uhr startet die letzte Wanderung des Jahres 2008 - mit über 50 Gästen. Auf geht's zur Rhönklubhütte oberhalb von Seiferts, mit Hut erkennt mich sogar mein mir entgegenkommender Friseur nicht.  Wer sagts denn - die perfekte Tarnung! Es ist ein wunderschöner Tag. Oben auf der Hütte gibt's eine zünftige Schnapsrast. Und ich erfahre durch meine Gäste, das der von mir jahrzehntelang als Hutbuche bezeichnete Baum tatsächlich ein Ahorn ist. Für mich als Rhöner sind eben einsam in der Landschaft stehende Bäume immer Hutbuchen. Es sei denn, es ist ein Nadelbaum. Das weiß selbst ich. Vielleicht sollte ich in Zukunft einfach „Solitärbaum" sagen. Dann macht man nichts falsch. Und es hört sich auch noch nach Experte an.

Um 16 Uhr sind wir wieder zurück in unserer Kelterei und es gibt einen heißen Apfelwein zum Aufwärmen. Nach Untergang der Rhönsonne ist es wirklich kalt geworden. Und kurz darauf kommt schon unser Möbelschreiner Olaf zur Tür herein. Er weiß aber noch nicht, dass er heute zum Lieferanten des Jahres 2008 gekürt wird. Olaf Strödecke-Hülsemann ist im Nachbarort Melperts zu Hause. Und er hat unsere ganzen Zimmereinrichtungen gebaut. Und auch die neue Theke ist von ihm. Das Arbeiten mit ihm macht wirklich Freude. Er st ein echter Handwerker, der auch noch Hirnschmalz für seine Kunden investiert. Danke Olaf!

Bis zum frühen Abend philosophiere ich mit Olaf über neue Projekte. Doch langsam muss ich weiter - den Küchenmarathon vorbereiten. Diese weltweit wohl einmalige Veranstaltung findet jetzt schon zum 10. Male statt. Hierbei wird das Silvesterbüffet in der Küche aufgebaut. Doch der wichtigste Gegenstand fehlt noch und muß von mir noch hereingetragen werden: Unsere alte Dezimalwaage. Darauf werden die Gäste nämlich im Doppelpack gewogen, bevor es n die Küche geht. Und kurz vor Mitternacht wird zurückgewogen. Das Paar mit der höchsten Gewichtszunahme ist dann Marathonsieger!

In diesem Jahr gewinnt das Team „Biene Maja" mit einer Gewichtszunahme von 6 Kilogramm - also 3 Kilogramm pro Person. Keine schlechte Leistung. Mit dem Neujahrsfeuer begrüßen wir alle gemeinsam das Neue Jahr. Und pünktlich um Mitternacht wurde auch mein neues Bier angestochen: „Bock auf 2009"!

Heute, am Silvestermorgen wünschte ich mir einfach ein wenig mehr Zeit an diesem letzten Tag des Jahres 2008. Zeit zum Nachdenken, zum Reflektieren. Klar, jeder Tag ist einmalig. Aber dieser Tag ist wirklich etwas Besonderes. Zwischendurch halte ich kurz inne und mache einen Schnelldurchlauf von 2008. Es war ein geiles Jahr. Nicht ganz einfach - aber es hat Spaß gemacht. Und ich habe richtig Lust auf 2009 - nur das Krisengerede kann ich nicht mehr hören. Alleine was die Medien an negativer Stimmung verbreiten grenzt schon an Kleinkriminalität. Fernsehgucken fördert ja die allmähliche Verblödung äußerst effektiv.

Und genau deshalb gibt's zum Jahresabschluß gibt's für meine Leser keinen Buchtipp, sondern eine empfehlenswerte DVD: „Free Rainer - Dein Fernseher lügt". Eine Realsatire auf das Gaga-TV von heute. Moritz Bleibtreu, Milan Peschel und die süße Elsa Sophie Gambard in einem furiosen Guerilla-Feldzug gegen die quotenbesessene Unterhaltungsindustrie. Einfach real und klasse. Ich habe den Film schon drei Mal gesehen!!! Unbedingt auch Euren Kindern (ab 12) zeigen!!!

 

Nachklapp, Freitag, 2. Januar 2009, 23.59 Uhr

Ich lege die neue CD „Die Suche geht weiter" von Rosenstolz ein. Track Nummer 8 mit dem Titel Unerwartet (Ein Fenster zum Himmel) finde ich klasse:

 

Ein Fenster zum Himmel

Doch es fehlt die Tür

Triffst Du die Freiheit

Bitte schick sie zu mir

Ich warte hier

 

Und rette mich

Vor dem falschen Licht

Es verspricht so viel mehr

Und dann will ich's so sehr

Am Ende fühl ich mich leer

 

Unerwartet

Unerreichbar

Für mich

Scheint im Fenster zum Himmel ein Licht

Unerwartet

Für mich

 

Wir könnten Eins sein

Reiß die Mauer weg

Komm zu mir her

Ein Herzschlag entfernt

Gibt's ein neues Versteck

 

Du musst nichts schwörn

Brauchst kein Gebet

Will nur von dir hörn

Dass es nicht ohne mich geht

 

Unerwartet

Unerreichbar

Für mich

Scheint im Fenster zum Himmel ein Licht

Unerwartet

Für mich

 

Ein Fenster zum Himmel

Doch es fehlt die Tür

Triffst Du die Freiheit

Bitte schick sie zu mir

Ich warte hier

 

Unerwartet

Unerreichbar

Für mich

Scheint im Fenster zum Himmel ein Licht

Unerwartet

Für mich

 

Mein ganz persönlicher Dank an AnNa R. & Peter Plate für die Inspiration.

 

Ja, das wars. Das Babyjahr 2008 ist vorbei. Ein wenig traurig bin ich schon. Schön war es. Nur vieeel zu kurz.  Ein schaafes Dankeschön an all meine Leser. Ich war wirklich überrascht, von wem ich alles Feedback bekommen habe. Ich widme dieses Tagebuch meiner süßen Tochter Maxine, die ein Geschenk des Himmels ist. Die dafür gesorgt hat, dass ich noch mehr Lachfalten bekommen habe. Ich bin so dankbar, dass ich das alles erleben darf.

Auf zu neuen Ufern!

Die Suche geht weiter!

 

Ende des Tagebuchs

 

Freitag, 3. Oktober 2008

Gerade habe ich erst einmal die letzten September-Einträge gemacht. Puuh! Man kommt zu gar nix mehr. Die Apfelernte hat mich voll im Griff. Kein Tage vergeht, wo nicht irgendeiner mir noch seine Äpfel verkaufen will. Bis jetzt haben wir schon 16 Tonnen verarbeitet. Das war vor einigen Jahren noch unsere Gesamtproduktion.

Ich brauche jetzt am Abend öfter mal eine Auzszeit. Zum Planen. Und zum Nachdenken. Zum Glück funktioniert das ganz gut.

Und dazu habe ich neulich etwas ganz Interessantes festgestellt. Doch dazu später. Ich muss jetzt erst einmal nach meinen Mäxen schauen. Denn Maxima ist noch ein wenig krank, Max hockt vor der Glotze und will nichts essen. Und ob Maxine wirklich noch im Kinderwagen schläft?

 

Sonntag, 5. Oktober 2008

22.37 Uhr. Ich sitze in meiner kleinen Privatküche. Neben mir steht ein frisch gezapftes und in mein Haus „verschlepptes" KRENZER 40 - doch es bleibt unberührt. Meine Freunde können jetzt erahnen, wie fertig ich ungefähr sein muss. Gerade geht eines unserer umsatzstärksten Wochenenden vorbei. Und ich konnte mein Team kaum unterstützen, weil ich zu 100% in die Organisation der Rhöner Apfelmesse eingebunden war. Und in Seeba, einem wunderschönen Dorf in der thüringischen Rhön am Samstag und Sonntag permanent vor Ort war. Dabei hat mich am Samstag morgen ein Virus erwischt und erst einmal für einen halben Tag flachgelegt. Dann habe ich mich todesmutig aufgerafft, um wenigstens einige wichtige organisatorische und logistische Dinge abzuwickeln. Natürlich hoffte ich auf die versprochene Ablösung am Abend, damit ich noch mein Team zu Hause in dieser Stress-Situation unterstützen kann. Denn auch dort hat es jemanden erwischt. Larissa. Zwei Tage vor ihrem 18. Geburtsta. Ihr geht es genauso beschissen wie mir. Um 18.40 ruft mich Maike, meine Geschäftsführerin der Rhöner Apfelinitiative an und teilt mir mit, dass sie ebenfalls krank ist. Und im 8. Monat einer Schwangerschaft ist damit nicht zu spaßen. Das wars dann mit Ablösung...

Also darf ich jetzt alleine die angekündigte Rhöner Obstlerverkostung durchführen. Keine weitere Hilfe seitens meiner Organisation, der Rhöner Apfelinitiative, weit und breit. Sch... !!!

Natürlich habe ich ein ganz schlechtes Gewissen, denn irgendeinen müsste ich jetzt im Stich lassen. Ich entscheide mich gegen mein Team. Und bleibe auf der Apfelmesse. Hoffentlich verzeihen die in der „Krone" mir das.

Als ich gegen 22 Uhr nach Hause komme, haben meine Leute das Kind supergut geschaukelt. Auch Larissa hat sich wieder aufgerafft. Doch dafür hat es am Sonntag Christiane erwischt. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen! Mit zwei Mädels, die eigentlich ins Bett gehören, schmeisst die „Frauschaft" rund um Sylvi, Maria und Co. auch noch das Sonntagsgeschäft. Was für ein Team! Ich bin richtig stolz. Diese großartige Leistung meiner Mädels (diejenigen, die fit waren haben sich natürlich doppelt reingehängt!) lässt mich meinen Frust rund um die Rhöner Apfelmesse ein wenig vergessen. Denn dort durfte ich eine „One-Man-Show" abziehen. Keine Geschäftsführerin da, von meinen Vorstandsmitgliedern nur einer. Und der meckert auch noch an der Organisation rum. Ich laufe mir einen Wolf. Von Veranstaltungspunkt zu Veranstaltungspunkt. Versuche, trotz des miesen Wetters die Aussteller und Akteure bei Laune zu halten. Das sind allesamt großartige Leute. Und Trotz einer Novemberkälte und eisigem Westwind, verbunden mit Regenschauern bekommen wir alle das gemeinsam hin.

Als dann die Kindergartenkinder zum Abschluß ihre für sie gepflanzten Apfelbäume mit ihren mitgebrachten Gießkännchen anwässern dürfen, bin ich schon ein wenig ergriffen. Eine tolle Idee der Seebaer Bürger, die neu gepflanzten 14 Bäume der Zukunft zu widmen. Unserer Zukunft! Der kleine Justin hat jetzt mittlerweile zum fünften Male seine Gießkanne entleert und schaut so stolz, als wüsste er mit seinen 1 ½ Jahren genau, was er da für die Zukunft schafft. Klasse!

Was ich heute wieder für mich gelernt habe: Es wird immer Menschen geben, die Dich enttäuschen. Es gibt aber IMMER Menschen, die diese Enttäuschung wieder mehr als kompensieren. Selbst wenn sie erst 18 Monate auf unserer Welt sind und Justin heißen...

 

Dienstag, 7. Oktober 2008

Nachdem ich in Kaltenhausen - in der Nähe der Volkacher Weinschleife - neue Weinlagertanks abgeholt habe, gönne ich mir so gegen 17 Uhr eine 60minütige Auszeit. Mein Ziel ist die Vogelsburg, malerisch gelegen mit Blick auf die fränkischen Vorzeige-Weindörfer Escherndorf (genau, dort wo es die Lage Lump gibt) und Nordheim. Das habe ich mir jetzt wirklich verdient. Seit 7 Uhr am morgen tobt das Leben. Denn wir haben jetzt für eine Woche nicht drei Kinder, sondern fünf! Denn meine Schwester Anja hat Laura und Julius bei uns „geparkt". Und die 5 sorgen für ein organisiertes Chaos im Haus.

Ich komme gerade in den wunderschönen Weingarten herein. Da ich nicht genau weiß, ob draußen bedient wird (immerhin sind die meisten Tische nicht vorbereitet) gehe ich gleich an die Theke und bestelle einen Schluck Bio-Traminer aus eigenem Anbau und einen Kochkäse. Ich liebe Kochkäse. Doch der Büffetier scheint keine Gäste zu lieben. Er verweist mich auf ein Schild an der Theke, das eindeutig darauf aufmerksam macht, das man nix an der Theke holen bzw. bestellen darf. Dummerweise habe ich vergessen, dieses tolle Schild zu fotografieren. Auf seinen Hinweis zum Schild entgegne ich - völlig relaxed und freundlich lächelnd - das, wenn ich draußen von diesem Schild etwas geahnt hätte, natürlich nie und nimmer mich bis an die Theke getraut hätte. Aber da ich ja nun schon einmal hier sei und auch brav meinen Anschiss bekommen habe, könnte ich doch jetzt auch mein Glas Traminer mit nach draußen nehmen. Und immer noch bin wahnsinnig freundlich. Das irritiert den Büffetier und auch die ziemlich gestresste Bedienung, die jetzt von draußen hereinkommt. Eines wird mir jetzt schlagartig klar: In solch typischen Ausflugszielen gibt es bestimmt mehr als nur fünf unfreundliche Gäste am Tag. Und das färbt auch auf den Service ab. Ist ja auch logisch. Du härtest leider ab.

Ich will eigentlich nur eine entspannende Stunde in der Abendsonne genießen und denke gar nicht an einen Konflikt. Der Kochkäse kommt prompt und ist superlecker. Zum Bezahlen traue ich mich wieder an die Theke. Diesmal lächelt mich die Kellnerin sogar ganz vorsichtig an (!!!) und sagt zu mir: „Sie wollen bestimmt bezahlen, oder?"

Ich gebe ihr ein ordentliches Trinkgeld, denn auch das bekommt man in einem ausgeprägtem Ausflugslokal eher selten. Ganz verdutzt schaut sie mich an. Das macht mir jetzt wirklich Spaß. Ich habe die Regeln eines Ausflugslokals erfolgreich gebrochen. Und es hat jedem der Beteiligten auch noch Freude gemacht.

Auf der Heimfahrt kommen wieder die Nachrichten mit DEM Thema Finanzkrise. Ich denke wieder an meine Bedienung und an viele andere in der Gastronomie. Die für wenig Geld einen guten, oftmals sehr guten Job machen. Und viel zu schlecht bezahlt werden. Das ist in unserer Branche aber im Moment leider nicht drin! Aber wehe, eine Servicekraft ist einmal schlecht drauf. Da rufen alle gleich wieder die Servicewüste Deutschland aus...

Wenn ein Top-Banker einen Fehler macht, wird der durch dreistellige Milliardenbeträge der Bundesrepublik locker wieder egalisiert. Ist das gerecht? Ist das wirklich die Welt, in der es sich lohnt zu leben? Und natürlich hält jeder von uns brav die Klappe, weil er natürlich sofort an sich und die Sicherung seiner Ersparnisse denkt. Verständlich. Aber auch richtig?

Aber dann sollten wir alle für immer und ewig aufhören, an den kleinen Fehlern schlecht bezahlter Menschen herumzunörgeln. Ich fange jetzt einfach mal damit an. Und versuche es durchzuhalten. Auch wenn es schwerfällt.

Aber eines steht fest: Die Typen mit den grauen, maßgeschneiderten Anzügen, egal ob Top-Banker oder Spitzen-Politiker (die stecken eh alle in einem Boot, wie man ja jetzt wunderbar sehen kann) stehen bei mir auf dem Index. Wie hieß es doch bei der letzten deutschen Revolution so schön: „Wir sind das Volk!" Sind wir es immer noch? Vielleicht brauchen wir einen neuen, friedlichen Aufstand. Solche Gedanken sind Momentaufnahmen. Ich habe sie einfach einmal festgehalten. Nur für mich und für meine in diesem sicherlich in die Geschichte eingehendem Jahr 2008 geborene Tochter Maxine. Reflektionen auf einer Autofahrt von Escherndorf nach Seiferts. Mit drei 1.000-Liter-Tanks im Laderaum.


Samstag, 11. Oktober 2008

Ich habe noch ein kleines "Special" zum Thema Märkte geschrieben. Da kann man einiges erleben. Ich war am 11. Oktober selbst Aussteller des Ostheimer Wurstmarktes:

„Sie sind ganz schön unverschämt!" macht mich eine ältere Dame am frühen Morgen auf dem Rhöner Wurstmarkt in Ostheim/Fränkische Rhön an. Denn sie wollte von mir wissen, was ein Glas Apfelmarmelade der Sorte „September-Ernte" kostet. Nach einem kurzen Blick in die Preisliste (ich kann mir leider nicht die selbstgemachten Preise merken) antworte ich ihr mit „3 Euro fuffzig!" Das scheint ihr etwas zu viel zu sein. Ich bin zum Glück nur eine Zehntel Sekunde perplex.

Und antworte ihr auf die frühmorgendliche Verbal-Attacke mit: „Klar bin ich unverschämt. Sie etwa nicht???" Das sitzt. Sprachlos zieht die Dame ab.

„So fängt der Tag ja gut an!", sage ich zu meiner Spitzen-Köchin Eva, die gemeinsam mit mir versucht, diesem Wurstmarkt ein wenig Apfel-Leben einzuhauchen. Denn immerhin reiht sich hier Metzger an Metzger. Ist ja schließlich Wurstmarkt. Und überall das gleiche Bild: Blutwurst, Leberwurst, Presssack, Salami, Knackwurst. Leider selten knackige Mädels hinter der Wurst. Diejenigen Metzger, die etwas Besonderes bieten, werden umlagert. Aber das sind nur wenige. Der Rest macht eben das, was er kann, bzw. gelernt hat: Bratwurst braten und Blut-, Leberwurst und Presssack verkaufen. Das ist zwar alles brav handwerklich und durchaus lecker. So wie es die Leute von „Slow Food" gerne sehen. Aber trotzdem überall das gleiche. Oder zumindest ähnlich. Und das ist das Problem. Das hat diese Branche nur noch nicht gemerkt. Langsam stirbt sie mit Blutwurst, Leberwurst und Presssack einen langsamen, heimlichen Tod - denn das Standartsortiment können die Wurstfabriken billiger. Und die haben trotzdem (dank staatlicher Förderung für ihre riesigen Investitionen in minderwertige Arbeitsplätze) auch noch das Geld für knackige Models, die an den knackigen Würsten knabbern...

Slow Food ist gut. Fast Food ist scheiße. Originell-Essen ist die Zukunft! ALLES, AUßER GEWÖHNLICH! Warum kapiert das denn keiner???

„Sie sind ganz schön blöd!" entgegnet mir am Nachmittag ein junger Mann, der kurz vor seiner „Hilfe-ich-werde-bald-vierzig-Krise" zu stehen scheint. Ich bin verdutzt und frage ihn „Warum bin ich denn blöd?" „Na ja", entgegnet er, „die anderen (er meint die Schnapsbrenner) nehmen für ihre Proben alle Geld. Sie nicht. Sie könnten viel mehr verdienen, wenn sie auch das machen würden, was die andern tun!"

In diesem Moment gehen mir Myriaden von Gedanken durch den Kopf. Was hat der gesagt? Ich soll das tun, was die anderen auch tun??? NIEMALS!!!

Früher, also vor knapp 10 Jahren hätte ich solch einen Typen zu Tatar gemacht. Doch der hat mehr als 6% Fettanteil. Der würde noch nicht mal als Schweinemett durchgehen. Eher als Schmalz. Mit ein paar Grieben, die garantiert nicht aus seinem Hirn stammen würden. Die Metzger unter meinen Lesern wissen jetzt genau, was ich meine. Was-will-der-Typ-von-mir? Muss ich mich hier auf diesem Wurstmarkt ständig anmachen lassen? Ich will hier weg. Nach Hause. Zu meinen tollen Gästen.

Zum Glück bin ich mittlerweile wirklich schlagfertig und bilde andere Menschen darin auch aus. Also antworte ich: „Nein ich bin nicht blöd. Extra für diesen Wurstmarkt bin ich sogar SAU-blöd! Denn ICH habe es überhaupt nicht nötig, Geld zu verlangen. ICH habe genug davon!" Der Typ ist jetzt verwirrt und ich am Ziel. Und genau DER kauft jetzt brav bei mir ein. So muss es sein!

So ein Markt hat immer etwas von Prostitution der Aussteller. Jeder steht da und möchte etwas verkaufen. Das ist nicht weit vom Niveau eines Straßenstrichs entfernt. Aber wer etwas verkaufen möchte, verkauft oftmals nichts. Besser ist es, wenn einem etwas abgekauft wird. Das geschieht selten auf einem Markt. Jedenfalls nicht auf einem solch Klassischem. Märkte von morgen funktionieren anders...

 

Montag, 13. Oktober 2008

Unser gestriger Rhöner Apfeltag war der bestbesuchteste aller Zeiten! Bei sagenhaftem Herbstwetter waren es diesmal weit über tausend Besucher. Sensationell, wie mein junges Team diesen Stress wegsteckt. Ich könnte sie alle knuddeln, so toll sind die allesamt. Und es gibt keine Verschnaufpause. Die hessischen Herbstferien sorgen für ein volles Haus. Unser neues Programm „Rhöner Kelterherbst" - eine Idee meiner Frau - kommt sehr gut an.

Wenn ich diese Frau nicht hätte, wäre ich wahrscheinlich eh schon pleite. Aber jeder von uns bekommt ja bekanntlich das, was er verdient, oder?
Apropos Frau: Sylvi ist für drei Tage mit unseren 3 Mäxen zu „netten" (die heißen wirklich so!) Kollegen die Eifel gefahren. Nach eigener Aussage musste sie „die Reißleine ziehen". Und sie hat völlig recht. Wenn wir nicht ab und zu mal die „Reset-Taste" drücken, gehen wir am Stock. Über kurz oder lang, je nach Durchhaltevermögen. An meine Reißleine komme ich leider - wegen der Apfelernte - noch nicht ran. Aber Mitte November nehme ich auch drei Tage Auszeit. Versprochen und verkündet. So lange halte ich hier gerne noch durch. Denn es macht wahnsinnig Spaß. Viel Freude haben wir mit tollen Gästen - und mit den neuen Azubis. Wer sagt eigentlich, das es keine engagierte, charismatische und begeisterungsfähige junge Leute gibt?

Heute Abend bin ich als Diskutant zum Thema „Werteverfall in der deutschen Wirtschaft" auf ein Podium in Mellrichstadt eingeladen. Das Thema passt zu dieser Zeit wie die berühmte Faust aufs Auge. Die Vorbereitung dazu muss ich zwangsläufig auf meiner Apfelbus-Fahrt von Fulda nach Mellrichstadt erledigen. Ich frage mich also: „Was sind für mich Werte? Was ist das konkret? Wie gehe ich damit um?" Die meisten schwafeln bei diesem Thema doch nur rum. „Leidbilder" und Co. lassen grüßen. Erst neulich war ich in einer großen Firma, wo überall auf dem Flur tolle Leitbilder und Ansagen für ein gutes Miteinander hingen. Die Mitarbeiter dort haben keinen der am Empfang wartenden Besucher gegrüßt. Soviel zum Thema...

Ich suche für mich eine schlüssige Aussage zu diesem doch wichtigen und aktuellem Thema. An der Kreuzung Steinwand finde ich meinen Leitsatz. Er nimmt Bezug auf die aktuelle Finanzkrise und die Auswirkungen daraus. Der Leitsatz ist eine ganz fiese Frage:

„Was bin ich wert, wenn ich keine (monetären und materiellen) Werte mehr habe?"

Denn Werte entsehen meiner Meinung nach nie aus Geld und Macht, sondern immer aus der eigenen Überzeugung und dem eigenen Tun.
Für diese Aussage bekomme ich doch tatsächlich einen Szenenapplaus. Es wird ein toller Abend mit beeindruckenden Menschen, den ich so schnell nicht vergessen werde. Danke, lieber Percy Grütering für die Einladung!


Donnerstag, 30. Oktober 2008

Liebe Tagebuch-Leserinnen und Leser! Der Herbst hat meine Familie, mein Team und natürlich auch mich voll im Griff. Und deshalb komme ich erst jetzt wieder einmal dazu, einen Tageseintrag zu machen. Und der heutige Tag ist ein denkwürdiger Tag! Er steht stellvertretend für viele Oktobertage. Es ist einfach der ganz normale, gut organisierte Wahnsinn. Doch an diesem Tag kam vieles komprimiert. Lesen Sie hier mehr:

Als ich um 6 Uhr in der Früh aus dem Fenster schaue, fängt es gerade an zu schneien. Wir haben doch noch nicht einmal November! Und dieser Wetterzustand sollte auch den ganzen Tag anhalten. Und wir haben heute, an unserem vorletzten Keltertag noch über 3 Tonnen Äpfel zu leckerem Saft zu pressen. Doch vorher ist erst einmal Schneeschippen angesagt. Und an Apfelernte auf unserer Wiese ist heute auch nicht zu denken.

Mein Küchen-Azubi Maikel ist das erste Opfer des massiv einbrechenden Winters. Er hat gerade sein Motorrad auf der matschschmierigen Straße zerlegt.

Zum Glück ist ihm nichts passiert. Die Arbeit im Schneetreiben macht mir heute ganz und gar keinen Spaß, alle 3 Stunden wechsele ich meine nassen Klamotten. Aber meine Leute sind guter Dinge, und die freiwilligen Helfer an der Apfelpresse arbeiten wie ein Uhrwerk.

Langsam kehrt wieder gute Laune ein - bis mein Junior Max von der Schule kommt. Er hat seine Englischarbeit zurück bekommen und eine „4 +" geschrieben. Wobei er nicht müde wird, das „Plus" hervorzuheben. Denn das sei wichtig, seine Lehrerin habe das auch so gesagt. Die Arbeit war schwierig, aber in der Klasse von Max sind einige Überflieger. Und die haben natürlich eine „1" geschrieben. Und es gibt auch massig viele Zweien. Und der Rest hat eine Drei. So langsam habe ich das Gefühl, das die Grundschule in Wüstensachsen eine Elite-Schule in der Rhön werden will. Jetzt werde ich aber der Letzte sein, der so etwas nicht gut findet. Mein Sohn kommt dabei manchmal unter die Räder. Aber da muss er jetzt durch. Vielleicht sollte er sich auf einige wichtige Fächer konzentrieren. Und den Blockflöten-Unterricht sausen lassen. Es macht ihm sowieso keinen Spaß mehr. Ständig wird er von den anderen ausgelacht, wenn er die Flötentöne nicht richtig trifft.

Ich kenne das. Im Werkunterricht in meiner damaligen Hauptschule ging es mir genauso. Bis ich in die Hauswirtschaftsgruppe der Mädchen durfte. Dort war ich dann sofort der beste Junge - ich war ja auch der Einzige! Aber ich konnte meine Talente viel besser einsetzen. Denn Kochen und der Umgang mit Lebensmitteln hat mir schon damals Spaß gemacht.

Am Mittag machen wir eine kleine Kelterpause. Zeit für mich, die eingehenden Mails zu checken. Als ich meinen Eingangsordner neu beschriften will, ist er plötzlich verschwunden. Er ist weg. Einfach weg! Im Daten-Nirvana des Internets. Unfassbar! Auch das noch, denke ich bei mir. Doch ich bleibe erstaunlich ruhig. Noch vor zehn Jahren hätte ich den ganzen Rechner aus dem Fenster gefeuert. Und dieses dabei noch nicht einmal geöffnet! Doch Zeiten und Menschen ändern sich zum Glück...

Da man immer das Beste aus einer Situation machen sollte, die man sowieso nicht ändern kann, schreibe ich spontan am Nachmittag darüber eine Kolumne für die Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung. Titel: „Gelöscht!"

Jetzt bin ich herrlich entspannt und nichts bringt mich mehr aus der Ruhe. Ich verabschiede mich von meinem Kelterteam heute etwas früher, denn ich bin zur Neueröffnung von Danielas und Stefans „Rhön-Tappas-Bar" eingeladen. So fahre ich erwartungsvoll nach Hünfeld. Und bin gespannt, wie die beiden die Idee, Spanien und die Rhön zusammen zu bringen umgesetzt haben. Immerhin hatte ich den Beiden den Laden empfohlen. Als ich zur Tür hereinkomme, sehe ich schon vorne an der Theke meinen Freund Harald Elm, seines Zeichens wichtigster Partner der Rhöner Apfelinitiative, deren Vorsitzender ich ja bekanntlich bin. Es wird ein ganz netter Abend. Viele meine Leser kennen das sicherlich.

Doch zum Ende des Abends lässt Harald die Bombe platzen. Er verabschiedet mich mit den Worten „Ach, wusstest Du auch, das die Rhöner Dachmarke wieder ein neues Management sucht?" Ich bin verwirrt. Und jetzt erfahre ich, das mein viel kritisierter Eintrag vom 17. April Realität geworden ist. Denn die junge Dame hat nach nur wenigen Monaten das Handtuch geworfen. Und mein größter Kritiker, der Herr Regierungsdirektor sucht nun ein neues Opfer für eine nicht realisierbare Mission: Eine Rhöner Dachmarke unter bayrischer Federführung. Da bin ich mal gespannt, wie es weitergeht.

Um 1 Uhr morgens gehe ich ins Bett. Ein klassischer 19-Stunden-Tag. Und ein Denkwürdiger dazu. Verstehen Sie jetzt, warum ich nicht jeden Tag dokumentieren kann?

 

Dienstag, 11. November 2008

Mist! Ich habe das Teil doch nicht etwa im letzten Zug liegen gelassen? Nein!!! Das kann nicht sein. Das ist mir doch noch nie passiert! Aber irgendwann ist bekanntlich immer das erste Mal. Warum müssen solche Regeln eigentlich immer auch auf mich zutreffen? Ich krame jede meiner drei Taschen durch. Keine Spur. Mein Blackberry ist tatsächlich weg!!! Ich sitze jetzt im Regionalzug von Rheine nach Papenburg. Und mein tolles neues Mobiltelefon ist auf dem Weg nach Amsterdam. Allerdings ohne mich. Meinen Mitinsassen im Zug entgeht meine Aufregung natürlich nicht. Haben divorher alle die junge Frau mit der kleinen Schlange in der Plastikbox angeglotzt, so ist jetzt die gesamte Aufmerksamkeit auf meine herumwuselnde Person übergegangen.

Was jetzt tun? Ich befürchte das Schlimmste. Zum Glück habe ich aus irgendeiner Intuition heraus mein altes Nokia-Schrott-Handy ebenfalls mitgenommen. Mit diesem versuche ich jetzt, meinen Blackberry anzurufen. Doch ich lande auf meiner Mailbox. Sch...

Doch Krenzer wäre nicht Krenzer, wenn er keine Idee mehr hätte. Ich rufe meine Frau Sylvi an. Und die soll versuchen, mein Blackberry anzuklingeln. Was sie auch tut. Ich bin völlig fertig. Und gespannt, wer jetzt mein Handy besitzt. Nach einer halben Stunde, die mir wie ein halber Tag vorkommt, meldet sich Syvi wieder bei mir mit den Worten: „Ich hab's!" Ich frage sie: „Was hast du?" „Na, dein Blackberry natürlich. Im Moment hat es allerdings noch der holländische Schaffner. Und der kümmert sich darum, das du es wieder bekommst. " Ich bin erleichtert. Doch kurz darauf kommen erste Zweifel auf. War das wirklich der Schaffner, den Syvi an meinem Telefon hatte? Nun gut. Ich kann sowieso nichts daran ändern. Also heißt es abwarten. Denn selbst wenn das Handy bei der Bahn gelandet ist, ist das noch keine Gewähr dafür, dass ich es wiederbekomme...

Am Abend treffe ich mich in der Alten Werft in Papenburg noch mit den anderen Referenten, um bei einem Martinsgansessen den nächsten Tag zu besprechen. Mein Martinsgans-Gericht ist allerdings ein Zanderfilet. Denn ich habe heute keine Lust auf Tradition a' la Keule, Brust, Rotkohl und Klöße. Man kann soviel Anderes noch aus einer Gans machen. Warum immer gibt es immer nur das langweilige Edelteil-Angebot osteuropäischer Herkunft?


Donnerstag, 13. November 2008

Es ist jetzt 10.54 und nachdem ich viel zu früh am Bahnhof mir das letzte Hemd abgefroren habe, bin gerade einmal 12 Minuten mit dem Regionalexpress von Papenburg an der Ems bis nach Leer in Ostfriesland gefahren. Eine schöne, kurze Strecke. Und stelle jetzt fest, das ich hier eine Stunde Aufenthalt habe. Mist!

Zum Glück gibt es hier ein wirklich fetziges Bahnhofscafe, in dem auch ordentlich was los ist. Ich finde einen netten Platz mit Steckdose und kann mein Tagebuch weiterschreiben. Und mir einen Milchkaffee an der Theke abholen. Irgendwie haben beide Servicemädels im letzten Hotel meinen Wunsch nach einem zweiten Milchkaffee vergessen. Das kann ja mal passieren. Aber viel schlimmer als Vergesslichkeit ist Emotionslosigkeit. Und fehlendes Herzblut.

Gestern, nach meinem Vortrag in der Alten Werft in Papenburg habe ich den ganzen Nachmittag und Abend genutzt, um endlich mal die Dinge zu besorgen, zu denen ich den ganzen Herbst nicht gekommen bin. Denn Papenburg ist (kaum zu glauben) eine tolle Einkaufsstadt. Vom bunt bedruckten Kinderpflaster bis hin zum geriebenen Parmasankäse in der Riesendose für meine Tochter Maxima ist alles dabei. Ich finde sogar Zeit, mir noch zwei Aktiv-Boxen für mein Notebook zu kaufen - inklusive der neuen CD von Rosenstolz. Auch 3 Flaschen Winterbock der Flensburger Brauerei müssen noch ins Gepäck, denn die kann ich bei meiner Weihnachtsbier-Probe am 20. Dezember gut gebrauchen. Es ist ja wieder Platz im Koffer, denn die sechs Flaschen Apfelsherry, die ich zur Verkostung mitgenommen habe, sind allesamt getrunken.

Gestern Abend habe ich aber einen Fehler gemacht. Den ich heute morgen sehr bereue. Ich habe den Fernseher eingeschaltet. Das sollte man nicht machen. Fast überall schlechte, ja sogar grausame Nachrichten. Die Reportagen über die Unruhen im Kongo, den Hausbrand von Ludwigshafen oder tödliche Autounfälle lassen mich nicht einschlafen. Fast immer sind Kinder betroffen. Kleine Kinder. Das geht mir an die Nieren - aber ich kann es nicht ändern. Ich denke an meine drei Mäxe und freue mich schon, sie wieder umarmen zu können. Die sind allesamt so liiieeeb, unglaublich...

 

Sonntag, 16. November 2008, 15 Uhr

Ich sitze vor meinem Büro-PC und sortiere am helllichten Sonntagnachmittag Bilder. Ganz bestimmte Bilder. Denn ich habe eine fantastische Herausforderung angenommen: Ich werde am 9. Dezember in Eibenstock im Erzgebirge gemeinsam mit meiner Tochter Maxima (4 Jahre jung) einen Vortrag halten. Jawohl! Ich nehme meine Tochter nicht einfach nur mit (das kann ja schließlich jeder), sondern sie darf auch etwas im Rahmen der Veranstaltung sagen. Das Thema ist ihr auf den Leib geschnitten: Kreative Kinder-Speisekarten. Und jetzt suche ich nach witzigen Fotos meiner Kinder in diversen Restaurants. Und was da alles auf meiner Festplatte gespeichert ist. Whow! Das wird ja interessant werden. Ganz nebenbei finde ich auch Bilder, die ich von meinen Kindern in unserem Haus gemacht habe. Und wenn ich mir die Schnappschüsse so anschaue, bin ich ganz stolz auf meine drei Mäxe. Wie die sich verstehen - unglaublich. Maxima gibt Maxine schon die Flasche. Und wenn absolut keiner Zeit hat, kriegt das die 7 Monate junge Maxine auch noch selbst hin. Ich bin begeistert. Max „rettet" unser Baby oft aus dem Kinderwagen, wenn es aufwacht. Dann trägt er die Kleine zu seiner Mutter oder (wenn ich da bin) auch mal zu mir.

Heute morgen haben Max und Maxima das gesamte Frühstücksgeschirr abgeräumt. Einfach so. Unsere Gäste haben die beiden natürlich sofort angestachelt, entsprechende Honorarforderungen zu stellen. Zumindest etwas Taschengeld wäre ja drin. Aber das ist den beiden mehr oder weniger egal. Hauptsache, sie haben Spaß. Das sind wirklich 100%ig meine Kinder!

Es gibt auf dieser Welt wirklich nichts Schöneres (und auch Anstrengenderes) als Kinder. Der liebe Gott hat beide Komponenten genau dosiert. Streß und Spaß. Er wusste warum. Man, ist dieser Gott clever...

 

Sonntag, 16. November 2008, 22.15 Uhr

Vor lauter Verzweiflung hole ich mir jetzt das zweite Weihnachtsbier aus meinem Kühlschrank. Denn ich bin gerade dabei, die Adressen der Rhöner Direktvermarkter für die 5. Auflage meines Longsellers „Dem Rhönschaf auf der Spur" (Erstauflage September 1993, über 15.000 verkaufte Exemplare) zu überprüfen.

Ich habe für die neue Auflage eben den Anspruch, den Lesern topaktuelle Adressen mit Ansprechpartnern „rund um die Uhr" zu nennen. Es sollen die „Macher" ins Buch, nicht die „Verwalter". Also keine öffentlichen Stellen. So war es schon 1993.

Heutzutage „googelt" oder „yahoot" man ja die Adressen. Das sollte man aber nicht bei jedem Direktvermarkter machen. Viele Vermarkter, ja sogar viele Organisationen(!) haben ja noch nicht mal eigene Homepages. Ich fasse es nicht. Dabei gibt es so tolle Typen bei uns in der Rhön. Und klasse Produkte. Scheinbar so klasse, das es keine eigene Homepage braucht. Aber nur scheinbar. Denn das ist natürlich ein Denkfehler. Und am falschen Ende gespart. Ich sage dazu immer: „Zu Tode gespart ist auch gestorben!"

 

Freitag, 21. November 2008

„Sehr geehrter Herr Krenzer, Sie können davon ausgehen, dass ich Ihr Tagebuch nicht regelmässig lese, sondern wirklich nur dann, wenn ich von Dritten drauf gestoßen werde. Für mich ist es eine ziemlich geschmacklose Form der Selbstbefriedigung auf dem Niveau der billigen Regenbogenpresse, aber die hat ja auch ihre Leser und die wollen Sie offensichtlich bedienen. Mich stört nur eines, das aber massiv, daran, die unübersehbare Zerstörungslust, mit der Sie zu Werke gehen."

Soweit die recht deftige Kritik eines Staatsbeamten aus dem Rhöner Biosphärenreservat , den ich hier in meinem Tagebuch leider nicht mehr erwähnen soll. Sonst gibt es wahrscheinlich noch deftigeren Ärger.

Aber mal ehrlich! So etwas tut man auch nicht!! Tagebuch schreiben im Internet!!! Und auch noch unverblümt seine Meinung äußern. Besonders bezüglich Politik und Verwaltung. Das ist doch pervers!!!!!

O.k., ich kann vieles verstehen, muss aber nicht alles akzeptieren. Und da ich heute nach meinem Abendlauf gut drauf bin, habe ich gleich einmal niedergeschrieben, was Sie, liebe Leser unbedingt tun müssen, um immer und ewig eine vor sich hindümpelnde durchschnittlich graue 08/15-Maus zu bleiben:

Passen Sie sich immer an, auch wenn es Ihnen nicht passt! IMMER!

Sagen Sie nie das, was Sie denken. Es kostet Ihnen Ihre „Graue-Maus-Karriere"!

Fallen Sie nie auf, auch optisch nicht. Kaufen Sie graue Anzüge, verzichten Sie als Frau auf Hüte, kurze Röcke oder extravagante Strümpfe oder Schuhe. Die „Ärzte" haben zu diesem Thema einen tollen Song geschrieben...

Tragen Sie (als Mann) lieber die jetzt angesagten karrierten Tischtuch-Hemden (können Sie nach zwei Jahren noch an Ihren Wirt vor Ort als Deko weiterverkaufen) oder (unisex) die jetzt fürchterlich modischen Pullunder mit Karreemuster aus den 70er Jahren. Die haben jetzt nämlich alle für sich entdeckt. Diese Teile haben damals schon den moppeligen Jürgen genauso entstellt wie 2008 sogar die attraktivste Frau...

Fragen Sie auch weiterhin Ihren Sohn oder Ihre Tochter, der/die eine Klassenarbeit mit der Note 4 oder schlechter abgeliefert hat, ob es auch Fünfen oder Sechsen gab...

Gehen Sie auch weiterhin zu Einladungen und Veranstaltungen, auf die Sie überhaupt keine Lust haben wenn sich irgendwo auf dieser Welt ein Arbeitskreis, ein Ausschuss oder ähnliches bildet, machen Sie sofort mit. Wenn es geht, übernehmen Sie sogar den Vorsitz

Schauen Sie auch weiter täglich TV, egal wie belanglos die Sendung ist

...es gibt zu diesem Thema sicherlich noch mehr zu schreiben, aber das war jetzt alles spontan notiert. Denn dies hier ist kein Lehrwerk zur persönlichen Weiterentwicklung, sondern einfach nur ein Tagebuch. Das endlich einmal ein Mensch auf dieser Welt absolut niveaulos findet...

Aber ich arbeite dran. Am Niveau. Lesen Sie bitte auch noch den nächsten Eintrag:


Mittwoch, 26. November 2008

Ich bin per ICE auf dem Rückweg von Bad Blenhorst, dem kleinsten Moorbad Deutschlands nach Fulda. Gestern Abend gab es dort im schnuckligen Kurhaus einen Vortrag mit dem Altmeister der strategischen Unternehmensführung. Gemeint ist der fast schon legendäre Josef Schmidt, Gründer des Schmidt-Collegs in Bayreuth. Ich freue mich, diesen außergewöhnlichen Menschen, der mein unternehmerisches Leben geprägt hat, nach fast zehn Jahren wieder zu treffen. Und es wird ein intensiver, humorvoller Abend. An dem ich ihm sogar bei seiner Power-Point-Präsentation assistieren darf.

Einige wirkliche Kernaussagen habe ich für Sie, liebe Leser nachstehend einmal zusammengefasst. Denn ich nehme Kritik ernst. Auch wenn diese von einem Staatsbeamten kommt. Und wenn ich das Niveau dieses Tagebuchs endlich heben kann, dann vielleicht t ein wenig philosophischer Ethik.

Also aufgepasst, nachstehend einige Notizen von einem spannenden Abend im Kurhaus des kleinsten Moorbad Deutschlands:

Der Titel: Wertschöpfung durch Wertschätzung ...eigentlich ist damit alles gesagt, oder???

 

Raten Sie mal, wie viel % unserer Lebenszeit wir „arbeiten"! (Auflösung am Ende meiner Mitschrift)

Werte: Junge Leute stehen wieder drauf!

Es macht Sinn, sich hier weiter zu entwickeln!

Hermann-Josef Abs (Chef der Deutschen Bank, als Banker noch Bankiers waren):

„Gewinne zu machen ist so wichtig wie die Luft zum Atmen. Es wäre aber schade, wenn wir nur zum Atmen auf der Welt wären!"

Werte und Marketing: Beides ist eine Denkhaltung!

Werte sind die Wurzeln der moralischen Bodenhaftung

Samy Molcho:

„Dein Körper spricht so laut, dass ich nicht höre was Du sagst!"

Was ist der Sinn unseres Tuns? (Immer mehr Menschen fragen sich das)

Bewahre die Ordnung - und die Ordnung bewahrt Dich! (O-Ton vom Hl. Benedikt)

Was tue ich heute, dass dieser Tag ein glücklicher und erfolgreicher wird? ...das sollten wir uns jeden Morgen fragen!

O-Ton Martin Luther: „Heute habe ich viel zu tun. Deshalb muss ich eine Stunde länger Andacht halten!"
Anm.: „Andacht" im Sinne von: den Tag andenken (macht durchaus Sinn!)

Erst grübeln - dann dübeln! ...heißt im Klartext: Vorbereitungszeit verdoppeln - Ausführungszeit halbieren! (Anm.: funktioniert super! Ich arbeite heute weniger als vor 10 Jahren, bin aber wesentlich effektiver...)

Der Mensch ist das Maß aller Dinge!

Es kommt nicht darauf an, woher der Wind weht. Es kommt darauf an, wie wir die Segel setzen.

Der Kompaß ist wichtiger als die Uhr! ...denn die Richtung ist entscheidend

Gibt es eine Gegenwart? Was ist das? Wie lange dauert sie? Wissenschaftler streiten sich. Gegenwart findet innerhalb von 3 bis 10 Sekunden statt. Lohnt sich die Gegenwart überhaupt?

Glück - ist der mutige Wille zum Leben. Und setzt auch voraus, Unannehmlichkeiten zu bewältigen.

Menschen führen ist Wertschätzung! (Anm.: ...und nichts anderes! Es geht nur darum!)

Der Philosoph Plato sagte einmal: „Die wahre Kunst ist es, die Menschen immer wieder daran zu erinnern, was sie eigentlich tun wollten, und bisher noch nicht getan haben..."

(Anm: ...wie wahr! Was bleibt bei uns so alles liegen?)

Selbstanalyse ist auch eine Kunst, die nicht jeder beherrscht.

Unter anderem sollte man immer in der Lage sein, sich selbst in Frage zu stellen. Ansonsten sucht man die Schuld immer nur bei den Anderen.

Zitat: „Ich habe niemanden in meiner Seele, dem ich Schuld gebe!"

Der Mensch denkt immer. Er kann gar nicht aufhören zu denken.

Es (das Hirn) denkt...

Ich denke, das ich bin wie ich denke. Deshalb wird mir mein Denken zum Schicksal.

Und deshalb gibt es auch das Prinzip der sich selbst erfüllenden Prophezeihung.

(Anm.: Ich sage dann immer „...der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann!")

Fragen ist die Frömmigkeit des Denkens. Denn Ratschläge sind auch Schläge!

Wenn Sie jemanden helfen wollen, dann stellen Sie Fragen!

Eine gute Unternehmensentwicklung funktioniert wie eine Treppe. Stufe für Stufe. Steigen und Sichern. Steigen und Sichern. Steigen und Sichern...

„Die ganze Welt ist eine Bühne, auf der wir nichts als Spieler sind!" ...ist von William Shakespeare, gefällt mir wirklich gut

 

 

Die Auflösung von oben:

...nur 8% unserer Lebenszeit arbeiten wir!!!


So. das war ein Crashkurs in Sachen philosophischer Ethik. Jetzt habe ich mir die Finger wund getippt und mache erst einmal eine kleine Pause...

 

Dienstag, 9. Dezember 2008, 9.30 Uhr

Frühstück mit meiner Tochter Maxima im „Blauen Wunder" in Eibenstock/Erzgebirge. Heute ist unser großer Tag: Ein gemeinsamer Vortrag zum Thema „Kreative Kinderspeisekarten" ist am Nachmittag angesagt. Die Anregung, meine Tochter mitzunehmen, kam von der Veranstalterin. Und da ich im Oktober 2003 schon einmal meinen Sohn Max mit zu einem Vortrag nach Oberbayern genommen hatte (damals allerdings mehr aus der Not heraus, denn zu Hause konnte sich keiner um den kleinen Kerl kümmern) hat nun meine Tochter auch das Recht. Die Veranstaltung vor 5 Jahren war übrigens richtig gut. Direkt nach meinem Vortrag trat Wigald Boning auf, ein nicht ganz unbekannter Comedian und Moderator. Während er ein relativ ernstes Thema hatte, konnte ich meinen Vortrag provokativ und mit vielen Lachern gestalten. Verkehrte Welt! Übrigens ein ganz netter, natürlicher Typ, dieser Boning. Hat Spaß gemacht.

Nachdem wir den Vormittag im Erlebnisbad verbringen und Maxima im Kinderbecken ihre wahre Freude an den vielen Steinchen darin hat, geht es um 16 Uhr endlich los. Wir führen unsere Handpuppen Luigi und Willi - ihreszeichens Kochazubi und Kellner - vor. Und meine Tochter macht das supergut. Ich bin natürlich ziemlich nervös und wahrscheinlich merkt man es mir auch an. Aber irgendwann ist eben das erste Mal. Beim zweiten Auftritt weiß man immer, was man besser machen kann. Das Fazit unseres Vortages war, das Kinder nicht unbedingt Kinderkarten brauchen, aber Beachtung. Das man mit ihnen spielen muss. Und das sie nun einmal gerne Würstchen essen. Und die sollten dann eben vom Metzger nebenan kommen. Und der sollte sein Fleisch aus regionaler Herkunft beziehen. Und die Kinder sollten das auch wissen. Kinderessen kann auch etwas mehr kosten, wenn man weiß, was wirklich auf dem Teller liegt. Nach meiner Erfahrung essen Kinder im Alter zwischen 5 und 12 Jahren den meisten „Müll". Und das ist eine ganz entscheidende Phase im Leben.


Mittwoch, 10. Dezember, 10.30

Aue im Erzgebirge. Bahnhof. Es ist wie im Kult-Western „12 Uhr Mittags". Alles leergefegt. Alle Scheiben im Wartesaal eingeschlagen. Hier gibt es wirklich nichts Schönes mehr. Ein moderner Fahrkartenautomat steht einsam am Bahnsteig. Wartet im Auftrag der Deutschen Bahn auf ein Opfer. Doch keiner kommt. Wir haben schon unsere Tickets. Es ist kalt. Und wir sind 30 Minuten zu früh da. Auch meine Tochter merkt, das hier etwas anders ist. Wie kann man einen Bahnhof so verwahrlosen lassen? Das ist doch der erste und der letzte Eindruck, den Reisende von einer Stadt bekommen. Gut, das es am Montagnachmittag schon dunkel war. Und wir beide müde von der sechsstündigen Fahrt. Für jeden Scheiß wird in unserem Land Geld ausgegeben. Milliarden werden an Versager-Banken überwiesen. Nur für den Bahnhof der wirklich interessanten Stadt Aue im Erzgebirge ist kein Cent mehr übrig...


Dienstag, 16. Dezember 2008, 21.50 Uhr

Als ich von meiner Kelterei in Richtung Wohnhaus gehe, merke ich es erst. Was kann so ein grausames Wetter wie heute nur für senstionell-schöne Spuren hinterlassen! Der Nebel verwandelt sich direkt vor meinen Augen auf den kahlen Ästen der Bäume bei - 5 Grad in einen intensiven Rauhreif. Und das schummrige Licht des Vollmonds sorgt dafür, das dieses vernebelte Schauspiel wahrlich skurril ausschaut. Und morgen früh, wenn die Sonne aufgeht und über die Obstwiese leuchtet ist das wieder ein wirklich faszinierender Anblick. Wenn man für diesen Anblick überhaupt noch Zeit hat. Heue morgen hatte ich Zeit.

Nach dem Frühstück mit meiner Frau und den Mäxen musste ich mich noch einmal für eine geschlagene Stunde auf die Couch legen. Lag es an der gestrigen Weihnachtsfeier mit meinem Team? Hatte ich etwa zuviel „Anti-Depressions-Bier" getrunken? Ich war hundemüde. Aber es war auch ein langer Tag. Um 6 Uhr habe ich gestern schon meinen Biersud für den Jahresbeginn 2009 eingebraut. Doch als ich heute auf der Couch um kurz nach 9 Uhr wieder aufwache, entdecke ich das Schauspiel auf meiner Obstwiese. Es dauert nur 15 Minuten, dann hat der Rhöner Nebel wieder die Sonne für einen ganzen Tage verschlungen. Danke, liebes Universum, das ich das erleben konnte. Das rettet den ganzen Tag. Genauso wie das Lächeln meiner jüngsten Tochter Maxine. Seit ihrer Geburt lache ich viel mehr als vorher. Und Lachen ist wirklich eine gute Medizin. Seit dem 14. April habe ich keinen einzigen Krankheitstag gehabt - aber das ist mir eben nur so eingefallen, rein zufällig...

Beim Schreiben dieser Zeilen werde ich schon wieder müde. Heute geht es mal früher ins Bett. Noch ein Blick in die Tageszeitung, vielleicht auch noch in die Hotel- und Gastronomiezeitung, für die ich regelmäßig Kolumnen schreibe und dann...


Mittwoch, 17. Dezember 2008

„Geeeiiiiiil!", schreit Maxima lauthals, als wir gemeinsam mit ihrem neuen Rodel die Wasserkuppe herunterpreschen. Sie hat die Aufgabe, zu bremsen. Doch sie tut es einfach nicht. Frei nach meinem Motto: „Wer bremst, verliert!" Also doch meine Tochter. Mir wird langsam mulmig. Die Piste ist zum Glück gut gesichert und wir landen im Rodel-Fangzaun und nicht an der rotkeringen Buche, die einen halben Meter weiter auf uns gewartet hat. Ich habe Max und Maxima am Sonntag versprochen, heute mal richtig mit unseren neuen Schlitten Gas zu geben. Und das tun wir dann auch.

Denn so manche meiner Sprüche kann zumindest der Max frei rezitieren: „Gebrochenes Versprechen ist gesprochenes Verbrechen!" Maxima kann aber auch schon einen Krenzer-Satz: „Seit ich bei Mc Donalds esse, hab` ich Pickel in der Fr....!" Das hat die Kleine irgend wann mal aufgeschnappt und sich gemerkt. Wenn ich da mal keinen Ärger bekomme...

Die Rodeltour macht riesig Spaß. Da ich aber nicht wintertauglich angezogen bin (ich hasse Skianzüge und dergleichen. Das ist was für Weicheier, die auch noch wie das Michelin-Männchen aussehen wollen) muß ich jetzt eben leiden. Und bin schon total durchnässt. Doch meine Kinder wollen nicht aufhören. Da hilft nur die Einladung auf eine Currywurst bei Gustav. Der betreibt auf der Wasserkuppe einen Imbiß. Ein schöner Tag!

 

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Max kommt von der Schule und berichtet freudestrahlend von seiner „Eins" beim Vorlesen. Das hatten wir gestern nach dem Schlittenfahren noch intensiv geübt. Er hatte in meiner Gegenwart ein wunderschönes Gedicht vom Weihnachtsbaum, der anschließend, nachdem die Geschenke ausgepackt wurden auf dem Mist landet, einfach so runtergeleiert. Also habe ich ihm erklärt, das ein Gedicht oder eine Geschichte erst durch den Erzähler lebendig und spannend wird. Und wir überbieten uns anschließend in der rhetorischen Interpretation des Gedichts. Und das hat ihm auch noch richtig Spaß gemacht. Mir übrigens auch. Ich sollte öfter so entspannt sein und Zeit für meinen Max haben. Denn unter Druck geht bei ihm nichts.

 

Sonntag, 21. Dezember 2008

Jetzt ist eine kleine "Aus-Zeit" angesagt. Und wie schon in meinem persönlichen Jahreszielplan Anfang des Jahres festgelegt, sitzen unsere Mäxe, Sylvi und ich in der wunderschönen Wirtsstube des Heiner Sindel mitten in Feuchtwangen und essen zu Mittag. Draußen regenet es aus Eimern. Aber ein gutes Essen und ein gescheites Bier trösten über dieses gar nicht weihnachtliche Ambiente hinweg. Endlich ist mal Zeit zum Entspannen, zum Reden, zum Kuscheln und Knuddeln. Zum Abendessen bleibt anzumerken, das Maxima zum zweiten Male eine Portion Spaghetti mit Feldsalatpesto(!) und Parmesan verdrückt. Kein Ketchup, keine Tomatensoße. Daß macht mich als Vater natürlich stolz. Und bei Heiner weiß man eben auch, woher die Viktualien stammen. Kaum einer ist in der Warenbeschaffung so konsequent. Hier kocht man einfach - aber richtig gut. Klasse! Am nächsten Mmorgen fahren wir nach einem ausgiebigen Frühstück entspannt und erholt zurück. Die Erkenntnis: Auch Scheißwetter hat seine gute Seiten...


Heiligabend, 24. Dezember 2008, 17 Uhr

Dieser Tag ist ein Mittwoch. Und da kommt (leider) auch noch unser netter Postbote. Und damit die Post. Es wird gerade dunkel und ich bearbeite noch schell mal die eingegangenen Briefe. Zumindest mache ich diese auf und schaue mal kurz drauf. Toll, was man noch so kurz vor dem sich zum 2008ten Male wiederkehrenden Geburtstag von Jesus bekommt:

Ein Brief vom Finanzamt: Zahlungshinweis für Kraftfahrzeugssteuer. 197,87 Euro. Super!

Eine Rechnung meines Kelterbedarf-Händlers. 147,89 Euro. Auch super!

Eine Einladung der Grünen zum Jahresempfang (immerhin, von anderen Parteien bekomme ich überhaupt keine Einladung määhr)

Eine schwachsinnige Mitteilung von HDI Gerling, einem Versicherungskonzern, den die Finanzkrise wohl noch richtig beuteln wird, wenn die weiter so nichtssagende Briefe an Heiligabend verschicken...

Ein Brief von der Berufsgenossenschaft zum Thema „Lohnnachweis 2009" - ebenfalls unheimlich spannend...

Wieder eine Rechnung - diesmal von meinem Küchen-Reperatur-Service. 413,30 Euro. Auch nicht schlecht...

Und noch ne Rechnung: Diesmal von einem Getränkehändler. 40,94 Euro für alkoholfreies Weizen. Wer trinkt so was überhaupt?

Ein Hotel-Newsletter ist auch dabei. An Weihnachten hat man als Hotelier ja Zeit, so etwas mal zu lesen...

Der Jahresbrief von Ralf, einem befreundetem Steuerberater ist ebenfalls in der Post. Der liest sich ganz interessant und ich überfliege sogar schnell noch seine Gedanken zum Jahreswechsel 2008...

Und eine originelle Weihnachtspostkarte von Peter, einem befreundetem Kollegen ist auch dabei.

Und noch ein Brief der GastroCoaches, für die ich Seminare halte.

Und ganz zufällig sind zwei Prospekte der beiden Großmarkt-Unternehmen aus Fulda dabei. Na hallo, darauf habe ich als Regionalvermarkter ja nur gewartet. Da gibt es schweinebilliges Kassler für 2,98 Euro das Kilo. Dornfelder für 1,29. Na dann, Prost! Oder Granini-Apfelsaft für 9,99 im 10-Liter-Pack für diese beschissenen Automaten, die fast jedes Hotel jetzt am Frühstücksbüffet stehen hat. Känguruh-Filet gibt's bei der GROMA für 9,69. Und belanglose Pangasiusfilets sogar schon für 2,69 das Kilo. Whow!

Schon lange nicht mehr hatte ich diese Prospekte in der Hand. In meinem Büro fliegen die gleich mit Umschlag zum Altpapier. Doch jetzt, hier in meiner Wohnung erfasst mich das „Jürgen-entdeckt-die-Welt-des-Junkfoods-Fieber". In jedem von uns steckt doch ein kleiner Perverser, oder? Jetzt bin ich auf der Getränkeseite angekommen. Mexikanisches Corona kostet die Kiste 22,69, genauso wie das Tequila-Bier „Desperados". Dagegen ist die Kiste Krombacher, Warsteiner oder Licher  schon für 9,49 zu haben. Irgendeiner macht hier was falsch. Wahrscheinlich sind die Mexikaner zu teuer, oder? So würden die deutschen Brauer jedenfalls argumentieren. Das Ende der deutschen Bierkultur ist gekommen, wenn unsere Reinheits-Gebots-Plörre noch nicht einmal halb soviel wert ist wie bierähnliche Getränke aus Übersee...

Na dann, Frohe Weihnachten!!!