Der Wander-Buch-Tipp: EIN RHÖNER AUF DEM HOCHRHÖNER

Aber Achtung: Dieses Buch ist kein Wanderführer und wahrscheinlich gerade deswegen lesenswert.

"Krone-Wirt" Jürgen H. Krenzer startete im Juni 2007 einen Selbstversuch und erwandert in vier Tagen den 120 Kilometer langen Hochrhöner. Daraus entstand ein äußerst humorvoller, aber dennoch kritisch-konstruktiver Bericht über den neuen Premiumweg. Gespickt mit vielen Gedanken, Hintergründen und manchmal auch Abgründen...

Das Buch mit dem Untertitel "Kein Wanderführer" hat ein handliches Format, 120 Seiten und enthält 24 authentische Fotos von der Strecke. Es erscheint in Parzellers Verlag zu Fulda und kostet 6,90.

...das Bild zeigt den Autor nach Beendigung der Rhön-Durchquerung - nach seiner Aussage "...eines der letzten deutschen Abenteuer."

Für alle Neugierigen, hier eine klitzekleine Leseprobe vorab:

 

Der 1. Tag ...

Bad Salzungen - Dermbach (30 km plus)

Wir wollten um 8 Uhr von Seiferts nach Bad Salzungen fahren. Doch daraus wird erst mal nichts, denn ich finde den Autoschlüssel nicht! Wussten Sie eigentlich, das ein Mensch in seinem Leben knapp 3 Monate mit Suchen verbringt? Sollte ich mal 70 Jahre alt werden, habe ich garantiert ein Jahr davon nur Schlüssel gesucht. Übrigens, in seinem Leben macht der durchschnittliche Deutsche 4,4 Monate Sport, guckt aber 8,3 Jahre in die Glotze. So beschreibt es eine Studie von Prof. Geisler aus München.

Nachdem wir nun zu dritt unser ganzes Haus generalstabsmäßig durchsuchen (so etwas dauert ja seine Zeit) findet meine Frau den Schlüssel nach knapp einer Stunde auf dem Sofa. „Wer hat den denn da nur hingelegt?" frage ich mich und wir starten mit einer „kleinen" Verspätung nach Bad Salzungen.

 

Freitag, 1. Juni 2007, 10.10 Uhr, Bad Salzungen, Bahnhof

Endlich geht's los. Sylvi macht noch ein Beweisfoto vom Start und dann wollen wir losmarschieren. Beim Blick auf die gegenüber des Bahnhof aufgestellten Entfernungstafeln stelle ich fest, das der „Hochrhöner" nur 28 km lang ist. Ich mache ein Erinnerungsbild und wir laufen frohen Mutes mit einem Schmunzeln auf den Lippen und bester Laune durch die Stadt.

Am Hochrhöner-Portal (für die normalen Menschen ist das ja das Ziel) fotografieren wir uns gegenseitig und wandern anschließend zügig durch die Schrebergärten nach Langenfeld. Übrigens: In der Beschreibung des Wanderführers vom ADAC steht für die Strecke, die wir jetzt verkehrt herum laufen folgendes: „...das Krankenhaus von Bad Salzungen, das auf einem Hügel thront, kündigt schon von weitem das Finale an...". Na, das sind ja schöne Aussichten. Ich werde in meiner Entscheidung von Harald bestätigt, den Weg konsequent anders herum zu laufen. Mit dem Krankenhaus im Rücken.

Langenfeld, 10.55 Uhr, Gasthaus Adam

Ich traue mich ehrlich gesagt nicht, Harald zu fragen ob wir nicht erst einmal zum (fast) gelungenem Start ein Weißbier trinken sollten. Schließlich ist das Gasthaus Adam in Langenfeld die erste (für andere, die den Weg richtig herum laufen die letzte) Einkehrmöglichkeit. Doch die Entscheidung pro oder contra Alkohol vor 12 Uhr wird mir durch das Ruhetag-Schild abgenommen. Ich fotografiere noch kurz als Erinnerung den Speisenkartenkasten und Harald beobachtet zwei Handwerker, die dort auf der Terrasse sich gerade für ihre Mittagspause einrichten. Die Warsteiner-Reklame vor dem Haus lässt meinen Bierdurst auch sofort moderater ausfallen. Da kommt plötzlich ein VW-Bus gefahren, und ein Herr mit Salatkiste kreuzt unseren Weg. Das muss der Wirt sein, denke ich. Denn früher habe ich auch meine Ruhetage missbraucht, um in unruhigen Großmärkten Salat und Gemüse einzukaufen. Heute bekomme ich das von meinen Rhöner Landwirten frisch in Haus gebracht.

Der Wirt ist überaus freundlich und bietet uns an, falls wir etwas trinken möchten, doch auf der Terrasse Platz zu nehmen. Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen und bestelle für uns zwei Weißbiere. Na also, wer sagts denn. Es klappt ja doch noch mit unserer ersten Einkehr. Es bleibt natürlich nicht bei diesem Weißbier, denn als ich zahlen möchte, drücke ich dem Wirt 5.- Euro in die Hand, die ich gerade noch aus meiner Hosentasche hole. Der will jedoch nur 3,60 für zwei große Weißbiere und ich sage: „Passt so!" Damit ist der Kollege aber überhaupt nicht einverstanden, doch ich lehne das Rückgeld energisch ab. Jetzt fängt der Vormittag an zu entgleiten: Er kommt mit zwei Schnapsgläschen „Rhöntropfen" an den Tisch. Eine Ablehnung würde jetzt zu einem ethischen Konflikt ausarten, denn mittlerweile hat Harald ausgeplaudert, dass wir beide aus Hessen kommen. Also hinunter mit dem dunklen Kräuterlikör. Langsam werde selbst ich gesprächiger. Meine neugierige Frage nach dem heutigen Ruhetag, der merkwürdigerweise auf einen Freitag fällt, beantwortet der Ältere der beiden Handwerker sofort: „Die Wirtin hat heute Geburtstag. Fünfzig ist sie heute geworden!" Ohne irgendwelche Hintergedanken gratulieren Harald und ich. Und ich mache auch gleich noch einen Schnappschuß. Wieder kommen zwei Gläser Rhöntropfen, die Flasche soll scheinbar noch heute mit zum Altglas. Jetzt sind wir fast schon eine Stunde hier. Die Handwerker klären uns auf, das es jetzt bis Bernshausen keine Einkehrmöglichkeit mehr gibt. Das sind immerhin noch 15 Kilometer!!! Die Pleß - unser nächstes Zwischenziel - ist nur Samstag und Sonntag bewirtschaftet. Auf diese Schreckensnachricht reagiert Harald sofort: Er bestellt noch zwei Weißbiere und erkundigt sich schon einmal nach einer Übernachtungsmöglichkeit in Langenfeld. Aber das kommt überhaupt nicht in Frage! Eine Beendigung der Hochrhön-Überquerung bereits nach 5 km!!! Um kurz nach 12 Uhr verlassen wir angeheitert das nette Lokal. So fängt ein Wandertag gut an. Ich werde der Wirtin auf jeden Fall für diesen gelungen Auftakt eine Flasche ApfelSherry zukommen lassen...

 

Rhönschaf launtschKroneW120ZimmerW120 Chef+GästeThekekernhaus R.A.S.T.kernhaus terasse ApfelSherrykernhaus laden Menschenkernhaus ladenRast innenkernhaus kellersherrygarageApfelzimmerApfelSherrySherrygläserApfelSherry Flaschen mit GläsernGeschenkkartonApfelblüte einzelnRhoenschafhotelDrei Äpfel auf TischSchafkopf aus HolzMaxine und MaxTeam 2009SchäferwagenSherry_Gläser_Flaschen_FässerMaxima Spatzeklösse